Prof. Dr. Hermann Rumschöttel

Der gläubige Mensch zwischen Religion, Staat und Politik

Historische Streiflichter auf 200 Jahre Glaube und Obrigkeit im Verfassungsstaat

"So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist." (Matth. 22,21). Die lange und wechselvolle Geschichte der Beziehungen zwischen Glaube und Religion auf der einen, Staat und Politik auf der anderen Seite erscheint wie eine Versuchsreihe zur Interpretation dieser Worte Jesu. An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, nach der Französischen Revolution, erfuhr das Verhältnis zwischen Kirche und Staat wesentliche Weichenstellungen mit tief greifenden, bis in unsere Tage wirkenden Folgen für das Leben der Menschen. Mit dem Blick des Historikers werden Schlaglichter auf die Komplexität der Entwicklung und die Aktualität des Problems geworfen.

Prof. Dr. Hermann Rumschöttel, geb. 1941 in Bad Reichenhall, studierte in München und Hamburg Geschichte, Germanistik, Philosophie und Geographie. Nach dem Staatsexamen für das höhere Lehramt wurde er in München mit einer von Karl Bosl betreuten Arbeit über das bayerische Offizierkorps im 19. Jahrhundert promoviert. An die Ausbildung für den höheren Archivdienst schloss sich ab 1973 eine Tätigkeit in verschiedenen Funktionen der Archivverwaltung des Freistaats Bayern an, ab 1997 als Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns (Ruhestand ab 2008). Von 1985 bis 1993 war der Referent zugleich Vorsitzender des Berufsverbandes der deutschen Archivare. In dieser Funktion war er nach 1990 für die Zusammenführung des Archivwesens der beiden deutschen Staaten mit verantwortlich. Von verschiedenen Lehrtätigkeiten an Ausbildungseinrichtungen und Hochschulen ist vor allem die Arbeit an der Universität der Bundeswehr München (seit 1992) zu erwähnen, wo er bis heute als Honorarprofessor für Geschichte wirkt. Inhaltliche Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner Veröffentlichungen sind Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte, Staatswissenschaft, Bayerische Landesgeschichte, Militär-, Zeit- und Sicherheitsgeschichte. In jüngerer Zeit hat er sich vermehrt mit Fragen des Staats-Kirchen-Verhältnisses beschäftigt (Säkularisation; Kulturkampf; Widerstand und Verfolgung in der NS-Zeit; Pater Rupert Mayer SJ). Als Mitglied der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften war er zwischen 2004 und 2014 deren Zweiter Vorsitzender. Kommunalpolitisch engagierte er sich 18 Jahre lang als Gemeinderat und 2. Bürgermeister der Gemeinde Neubiberg.

 
500 Jahre Reformation - Am Anfang war das Wort